Diagnose und Ursachenfindung in der Ayurveda-Medizin

Warum kann Ayurveda Hilfe bieten, wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt?


Die Ayurveda Diagnose kennt ein Konzept um die Ursache und Entstehung von Krankheiten im Menschen zu entschlüsseln. Ayurveda beschäftigt sich weniger mit der Analyse der „Krankheit“ als mit dem Individuum. In der Tridosha-Lehre des Ayurveda wird das individuelle Gleichgewicht in jedem einzelnen Menschen genau analysiert. Dann wird beobachtet wie ungesunde
                   Ernährung, Lebensweise und Geisteshaltung
den Menschen aus diesem Gleichgewicht gebracht haben. Die wichtigsten Energien, die dabei unter die Lupe genommen werden sind die Drei Doshas Vata, Pitta und Kapha, die auch in der Ayurveda Pulsdiagnose untersucht werden. Sie setzen sich aus den fünf Elementen Raum, Wind, Feuer, Wasser und Erde zusammen und stehen für folgende Prinzipien:

  • Vata - Bewegung
  • 
Pitta - Umwandlung

  • Kapha - Wachstum

Die drei Doshas sind in jeder Zelle des Menschen seit dessen Zeugung in einer Zusammensetzung vorhanden, die nur diesem Menschen eigen ist. Gerät diese individuelle Dosha-Balance, die Ayurveda Konstitution (Prakriti) aus dem Gleichgewicht, entsteht Krankheit (Vikriti). 


Was macht die Ayurveda Diagnose zur ganzheitlichen Diagnose?


Der  Mensch wird als Mikrokosmos im Makrokosmos verstanden. In die ganzheitliche Ayurveda Diagnose fließen nicht nur die drei Doshas, sondern alle inneren und äußeren Lebensumstände mit ein, wie Verdauungskraft, Ernährung, Umwelt, soziales Netzwerk und spirituelle Ausrichtung. Als tiefste Ursache für Krankheitsentstehung sieht Ayurveda den menschlichen Geist mit seinen Begierden und negativen Emotionen. 

Wie kann ich mir eine Ayurveda Diagnose beim Ayurveda-Arzt vorstellen? 

Die ayurvedische Diagnose findet im Erstgespräch statt. Sie beruht auf einer genauen Beobachtung der Statur und der genetischen Merkmale eines Menschen. Haare, Nägel, Finger und Haut geben Aufschlüsse, so wie eine genaue Befragung zu Körperfunktionen wie etwa Appetit, Stuhl und Temperaturempfinden. Die Puls- und Zungendiagnose ergänzt die Diagnose. Der Arzt bzw. Ayurveda-Arzt unterscheidet zwischen Konstitution (Prakriti) und aktueller Imbalance (Vikriti). Er untersucht ob das Agni (Verdauungsfeuer) gesund und stark genug brennt. Er unterscheidet eine Vielzahl weiterer diagnostischer Kriterien.

Nadi Pulsdiagnose

Was kann der Ayurveda-Arzt aus dem Puls ablesen?

Ein geschulter Ayurveda-Arzt kann in wenigen Augenblicken aus dem Puls eine Krankheit und deren energetische Ursache erkennen. Die moderne Pulsmessung erfasst nur grobstoffliche Parameter wie Pulsfrequenz und Arrhythmien (unregelmäßiger Pulsschlag). Der Ayurveda-Arzt kann viele differenzierte feinstoffliche Informationen über den Puls ablesen.

Die Konstitution (Prakriti) und die krankheitsbedingte Dosha Imbalance (Vikriti) ebenso wie die Verdauungskraft (Agni) und das Vorhandensein von Schlacken (Ama) zeigen sich im Puls.

 Bei Frauen wird der Puls am linken Handgelenk, bei Männern am rechten Handgelenk getestet. Mit Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger werden die drei Doshas (Vata, Pitta und Kapha) getastet. Nicht nur die Position, auch die Qualität des Pulsschlags sagt viel aus: Gleicht der Pulsschlag einer Schlange, einem Frosch oder einem Schwan? 


Prakriti Konstitution

Jeder Mensch ist ein Individuum. Im Gegensatz zur Schulmedizin unterscheidet der Ayurveda bei jedem Menschen unterschiedliche Konstitutionstypen. Im Ayurveda wird die Konstitution Prakriti genannt. 

Die individuelle Konstitution ist eine genetische Anlage. Diese „Natur des Menschen“ lässt ihn unterschiedlich reagieren. Prakriti befähigt jeden Menschen zu völlig individueller Funktionsweise und Denkweise. Jeder Konstitutionstyp erhält seine Gesundheit und beugt Krankheit auf unterschiedlich Art und Weise vor. Gesund ist nicht gleich gesund und krank ist nicht gleich krank. Zwei Menschen können vom Schulmediziner die gleiche Diagnose gestellt bekommen. Die Ayurveda-Medizin wird bei diesen zwei Menschen die Konstitution berücksichtigen und zu zwei verschiedenen, individuellen ayurvedischen Diagnosen kommen.

Die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha bestimmen die körperliche Konstitution. Einen Vata Typ erkennt man beispielsweise am schlanken Körperbau, der Pitta Typ hat einen mittelgroßen, sportlichen Körper und der Kapha Typ einen schweren, stämmigen Körper. Unsere vegetativen, unbewussten Funktionen wie Verdauung, Stuhl, Urin, Schweiß und Temperaturregulation werden von den Doshas gesteuert. So tendiert der Vata Typ zu Verstopfung, der Pitta Typ zu Durchfall und der Kapha Typ zu geregelter Verdauung. Jede Konstitution ist gut, und jeder Mensch hat eine individuelle Mischung aus Vata, Pitta und Kapha von beiden Elternteilen (Eizelle und Samen) mitbekommen - so steht es schon in den klassischen Ayurveda Texten.

Was für einen Vorteil bringt die Ayurveda Konstitutionsbestimmung?

Ein entscheidender Vorteil entsteht für die Gesundheitsvorsorge. Nur wer über seine Natur Bescheid weiss, kann Krankheit gezielt vorbeugen, durch individuelle Ernährung und Lebensweise. So kann es für den schnellen Vata Konstitutionstyp wichtig sein, mehr zur Ruhe zu kommen, ein träger Kapha Konstitutionstyp sollte sich mehr herausfordern und mehr bewegen. Für die hitzige Pitta Konstitution sind Spaziergänge an Seen- und Flusslandschaften gesundheitsfördernd. 

Auch die Wahl der Therapiemethoden wird auf Grundlage der Konstitution individuell gestaltet. Für den Vata Typ sind Ölanwendungen hervorragend geeignet, der Kapha Typ profitiert mehr von Kräuterpulvern und Schwitzbehandlungen, das kühlende Ghee ist das Heilmittel für den Pitta Typ.

Ayurveda kennt auch eine seelische Konstitution. Sie wird bestimmt von den drei Gunas Sattva, Rajas und Tamas. Anders als bei den drei Doshas gibt es eine bevorzugte Geisteshaltung - die sattvische. Sattva steht für Frieden, Klarheit und geistige Reife, wohingegen Rajas für Aggression und Tamas für Trägheit und Ignoranz stehen. Jeder Mensch kann durch Meditation einen sattvischen Geisteszustand in seinem Leben erreichen. 

Die Ayurveda Wissenschaft entwickelte  ein komplexes System vom Zustand und Sitz der Doshas und Gunas mit vielen Unterkategorien.

Vikriti Imbalance

Ist Ihr Zustand wie er sein soll?


Vikriti beschreibt den Ist-Zustand unserer Bioenergien, den Doshas, Prakriti den Soll-Zustand, die Konstitution. Das bedeutet: gesund ist für uns wenn unsere Doshas gemäß unserer Konstitution weder zu hoch noch zu niedrig sind, der Ist-Zustand gleicht dem Soll-Zustand. Krank werden wir, wenn Vata, Pitta oder Kapha über unsere konstitutionelle Balance hinaus zu hoch oder zu niedrig sind. Normalerweise tendieren die Menschen zu Krankheiten, die ihrer Konstitution entsprechen: ein Vata Typ mit trockener Haut und hervorstehenden Gelenken kann eine rheumatische Gelenkerkrankung entwickeln, ein Kapha Typ mit Tendenz zu viel Schleim eine chronische Bronchitis. Doch es muss nicht so sein: Ein Vata Kapha Typ kann einen akuten Hautausschlag oder hohes Fieber bekommen, beides typische Pitta Krankheiten.

Wozu ist die Analyse der Doshas dann gut?


Die Dosha Diagnose hilft mit, die Ursache der Krankheit zu erkennen. Die aktuelle Imbalance (Vikriti) verrät, ob zu viel Hitze oder zu viel Kälte (entsprechend Pitta oder VataKapha) die Krankheit verursacht haben. Diese Analogien sind in der Ayurveda Wissenschaft verfeinert und perfektioniert worden. Ihre Komplexität kann daher in Fachbüchern nachgelesen und in einer mehrjährigen Ayurveda-Ausbildung verstanden werden. 

Das grundlegende Verständnis der Lehre ist einfach zu begreifen: ein Übermaß an Hitze wird mit Kälte geheilt, ein Übermaß an Trockenheit mit Öligkeit. Dazu benötigt der Ayurveda-Arzt die Analyse der Doshas. Vata beispielsweise ist kalt, trocken, rau, beweglich und leicht. Das warme, schwere und ölige Sesamöl ist daher ein exzellentes Heilmittel für erhöhtes Vata. 

Agni Verdauungskraft

Die Doshas haben ihren Ursprungsort im Darm. Kein Wunder, dass der Verdauungskraft, dem Agni so zentrale Bedeutung in der Ayurveda-Medizin zukommt. Agni ist das Sanskrit Wort für Feuer. Der Feuergott Agni wird im Hinduismus verehrt. Bei ausgewogener Verdauung und starkem Agnis sind die Bioenergien, die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha in der Balance. Gesundheit wird erhalten und Krankheit kann nicht entstehen. 

Gesunde Verdauung - gesunder Mensch?


Die Ayurveda Wissenschaft hat die gestörte Verdauungskraft als wesentliche Ursache auf für chronische Krankheiten erkannt. Gemeint sind hier nicht nur Magen-Darm Krankheiten, sondern jegliche chronische Krankheit, ob die Beschwerden nun an Gelenken, Augen oder Haut auftreten. Damit ist die zentrale Rolle einer gesunden Ernährung leicht verständlich. 

Die Ayurveda Wissenschaft unterscheidet ein Verdauungsfeuer im Magen-Darm Trakt, ein Verdauungsfeuer für jedes der fünf Elemente, ein Verdauungsfeuer für jedes der 7 Gewebearten bis hin zum mentalen Verdauungsfeuer.

Ausgeglichenes Agni (saamaagni) beugt dem Entstehen von Aama, den Schlacken, vor. Kommt es jedoch zu Aama, so wird der gesunde Aufbau von den 7 Geweben gestört. Das läuft über kurz oder lang auf das Entstehen von chronischer Krankheit hinaus.

Woran erkennt man ein gesundes Verdauungsfeuer?


Ein guter, regelmäßiger Appetit und ein Wohlfühlen, das sich nach dem Essen im Körper ausbreitet, berichten von ausgewogener Verdauungskraft. Die Stuhlgang ist entsprechend der Konstitution normal geformt und die Zunge frei von Belag. Auch im Puls kann man ein gesundes Agni erkennen.